Puh – das ist echt lange her: meine Existenzgründung, der Start in die Selbständigkeit.

Das ist eine „außer-der-Reihe-Artikel, denn ich nehme teil an der Blogparade #meinwichtigsterrat von Sascha Theobald.

Was ich meinem Gründer-Ich raten würde …

Als mich ein guter Freund auf die Blogparade „Mein wichtigster Rat“ von Sascha Theobald aufmerksam gemacht hat und ich über meine Geschichte nachdachte, fiel mir schnell auf, dass meine Ratschläge eigentlich die sind, die nach denen ich gerade selbst vorgehe

Existenzgründung 20 Jahre +

Denn, obwohl ich schon lange selbständig bin: In so einer Phase bin ich in diesem Jahr wieder. Vieles von dem, was mir eingefallen ist, gehört in die Kategorie „früher war echt Vieles schlechter“. Denn ich bin schon über 20 Jahre selbständig. Das heißt, Vieles war zu der Zeit noch kein Thema, unbekannt, ungenutzt. Ich sage nur: Supervision und Coaching. Das erste Mal, dass ich davon gehört habe, war 1997 … Und ich wäre damals nicht auf die Idee gekommen, dass so eine Unterstützung etwas für mich sein könnte.

Schon während meines Kommunikations-Design-Studiums war ich freiberuflich unterwegs. Die (erste) Selbständigkeit im direkten Anschluss war daher die logische Folge – und eine Mischform. In den ersten Jahren arbeitete ich mit meiner bereits selbständigen Schwester zusammen. Im Rückblick war das Segen und Fluch zugleich. Ein Segen, weil ich dadurch im Umgang mit Kunden schneller Sicherheit bekam. Und ein Fluch, weil ich davon ausging, dass sie sich überall auskennt und mich mehr auf sie als auf mich selbst verlassen habe. Sieben Jahre später trennten wir uns. Ein paar Jahre früher hätten uns beiden sicher gut getan.

Gründen …

Irgendwie hat ja schon das Wort an sich etwas mit Grund zu tun. Gründe zum Gründen? Gab es viele, unterschiedliche, veränderbare. So wollte ich nie in einer großen Agentur arbeiten. Stattdessen wollte ich mir aussuchen, für wen ich arbeite. Außerdem fand – und finde – ich es spannend, immer wieder unterschiedliche Themen auf dem Tisch zu haben. Mir war meine Unabhängigkeit sehr wichtig.

Und die Freiheit, meine Zeit so zu planen, dass es zu mir und meinem Leben passt. Die Gründe zu kennen, warum du dich selbständig machen möchtest, hilft ungemein. Eine gute Idee dazu ist im Vorfeld sicher die gute alte Pro-und-Kontra-Liste. Hatte ich nicht – kann aber nie schaden! Die brauchst du nämlich, damit dir die eigenen Motive klar sind.

Was motiviert dich?

Deine Motivation sollte stark ausgeprägt sein – davon bin ich felsenfest überzeugt. Und zwar am besten eine Motivation aus sich selbst heraus, die keine starken Anreize braucht. Sonst landest du ganz schnell in einer Arbeit-Freizeit-laissez-faire-Falle.

Was kannst du?

 Deine Grundlagen… ja, da kommen wir der Sache schon etwas näher. Auf den Grund sozusagen. Grundlagen haben für mich was mit Bodenhaftung zu tun. Mit einer soliden Basis a.k.a. Ausbildung. Die brauchst du immer, heute wie vor 20 Jahren.

 Hol’ dir Unterstützung!

Raus aus dem Suppenteller. Wer immer im eigenen Saft vor sich hin schmurgelt, verzettelt sich, wird schnell(er) betriebsblind – und verliert die Lust am Tun.

 

Also, schau’ über den Tellerrand, hol’ dir Unterstützung – und zwar frühzeitig! Ein begleitendes Coaching verkürzt definitiv viele Entscheidungswege. Jemand von außen mit professionellem Blick rückt deine eigene betriebsblinde Perspektive wieder gerade. Und schärft deinen Blick! Außerdem kommt man erwiesenermaßen aus seinem Suppenteller allein oft nicht raus – der Rand ist glatt und rutschig.

 

Stärken und Schwächen – lerne beides gut kennen!

…und gib frühzeitig Aufgaben ab, die du definitiv nicht gut beherrscht und die dich mehr Energie kosten, als sie bringen. Bei mir war das die definitiv die Buchhaltung … Dazu kann auch ein Businessplan gehören – den muss niemand selbst schreiben, klärt aber sehr den Blick für das eigene Ding.

 Das liebe Geld.

Du weißt das: Luft und Liebe reichen nicht für Katzenfutter und Brötchen.
Wenn du einen Businessplan geschrieben hast, bekommst du auf jeden Fall einen besseren Überblick über das, was nötig ist und was möglich ist. Und in welchem Zeitraum. Den eigenen Verdienst besser und höher einzuschätzen und zu planen, hilft! Dumpingpreise sind immer (immer, immer!) eine richtig schlechte Idee.
Du solltest deinen Wert kennen und danach kalkulieren (da sind wir – Überraschung! – auch schon wieder beim Thema Coaching.) Zuerst machst du die Preise kaputt: erst die der anderen, dann deine eigenen. Danach wird es schwer, deinen Kunden gegenüber steigende Preise zu rechtfertigen. Denn die höheren Preise werden kommen.
Oder du machst dich direkt unglaubwürdig, denn es gibt viele unternehmerisch denkende Menschen, die keine Leistungen kaufen, die ihnen zu billig erscheinen.

 Kontakte aufbauen und nutzen.

 Vitamin-B ist nichts Verwerfliches. Das habe ich definitiv nicht beherzigt – denn, wenn man Kontakte gezielt beruflich nutzte, machte man sich in meiner Familie eher verdächtig. So ein Quark! Heute noch viel mehr: Wenn du ein Angebot hast, dann sag es. Allen! Ist heute durch das Internet zwar anfangs etwas leichter, braucht aber mehr Aufmerksamkeit.

 Intuition und Empathie – Bauchtraining lernen.

Das finde ich extrem wichtig zu lernen. Achte auf dein Bauchgefühl. Trainiere deine Intuition. In meiner gesamten Selbständigkeit habe ich vier Mal einen Auftrag zurückgegeben, weil ich irgendwann merkte, dass der Auftraggeber und ich nie zusammenkommen.

Das letzte Mal war vor zwei Monaten – aber da war es glücklicherweise VOR der Auftragsvergabe, weil ich direkt ein schlechtes Gefühl hatte. Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Trainier’ das genau wie deine Empathie: Nichts hilft dir mehr dabei, deine Kunden besser zu betreuen.

Netzwerken – never walk alone.
Ok, etwas habe ich auch gut gemacht als Anfängerin: ich war sehr früh in einem Berufsverband und in einem Unternehmerinnen-Netzwerk. Auch nach meinem Umzug in eine andere Stadt habe ich mir sofort Gleichgesinnte gesucht. Das rate ich dir ganz besonders, wenn du allein startest. Nicht nur, weil sich dadurch in einer fremden Stadt – manchmal nach Jahren, dafür oft jahrelang und stetig – gute nachhaltige Geschäftskontakte aufbauen lassen. Sondern, weil dadurch auch Freundschaften entstehen. Und die bilden immer eine gute Grundlage.

Und da sind wir wieder am Anfang. Bei deinen Grundlagen, deinem festen Boden unter den Füßen. Denn den wirst du in den stürmischen Zeiten deiner Selbständigkeit immer wieder brauchen.

Foto © Katja Lotze